Was vor dem Einzug zählt

Wer sich mit dem Gedanken an einen Pflegeplatz beschäftigt, steht vor einer großen Entscheidung. Das gilt für zukünftige Bewohner:innen genauso wie für ihre Kinder, die oft mitten im Beruf stehen, Familie organisieren und selbst an Belastungsgrenzen kommen. Aus vielen Gesprächen erleben wir im St. Josefshaus: Je früher Familien sich ehrlich austauschen, desto besser gelingt der Übergang.

Denn oft bleibt Entscheidendes unausgesprochen. Aus Rücksicht, aus Angst oder in der Hoffnung, die Situation werde sich doch noch lösen. Dann entstehen Geschichten wie „nur für ein paar Wochen“ oder „nur vorübergehend“. Das wirkt im ersten Moment schonend, kann aber später zu großem Vertrauensverlust führen. Der Geschäftsführer André Löckelt sagt deshalb klar: „Offene und ehrliche Gespräche nehmen Angst und verhindern falsche Hoffnungen.“ Wer früh anspricht, was zuhause noch möglich ist und was Angehörige umgekehrt zeitlich oder körperlich nicht mehr leisten können, entlastet alle Beteiligten. Kommunikation ist also das A und O.

Dazu gehört auch ein realistischer Blick auf den Alltag. Viele ältere Menschen sind fest in ihrem Zuhause verwurzelt – oft seit Jahrzehnten. Gleichzeitig nehmen Kraft, Mobilität und Selbstständigkeit ab: Einkaufen, Körperpflege, Haushalt oder sichere Wege in der Wohnung werden schwieriger. Angehörige möchten helfen, stoßen aber neben Beruf, Familie und eigener Gesundheit oft an Grenzen. Genau darüber sollten Familien sprechen, bevor eine akute Krise entsteht.

Ein zweiter wichtiger Punkt: Einrichtungen frühzeitig anschauen – nicht erst dann, wenn nach einem Krankenhausaufenthalt schnell entschieden werden muss. Nach einem Sturz oder einer Operation bleibt häufig wenig Zeit. Wer sich vorher informiert, kann in Ruhe vergleichen und gemeinsam Prioritäten festlegen. „Man sollte ein Pflegeheim besichtigen wie eine Wohnung: früh, in Ruhe und mit den individuellen Vorlieben und Kriterien“, so Löckelt. Wie ist die Atmosphäre im Haus? Wie sprechen Mitarbeitende mit Bewohner:innen? Wie ist das Essen? Welche Angebote gibt es, welche Zimmer, welche Gemeinschaftsbereiche? Es ist eine große Stärke, wenn ältere Menschen ihr mögliches Zuhause selbst mit auswählen.

Wichtig ist: Eine frühe Besichtigung bedeutet nicht, dass sich ein Zimmer langfristig reservieren lässt. Häufig führt – trotz aller Planung – erst ein akutes Ereignis zum tatsächlichen Einzug, und dann zählt, was zu diesem Zeitpunkt frei ist. Wer sich kurzfristig für einen Pflegeplatz entscheidet, kann sich daher nicht immer ein bestimmtes Zimmer aussuchen. Manchmal braucht es zunächst eine Übergangslösung, etwa ein Doppelzimmer. Deshalb ist es sinnvoll, im Akutfall handlungsfähig zu bleiben, den Bedarf rechtzeitig noch einmal konkret anzumelden und vorsorglich auch einen Plan B mitzudenken.

Ebenso zentral sind Patientenverfügung und Vollmachten. Familien sollten rechtzeitig besprechen, wie jemand im Alter begleitet und medizinisch versorgt werden möchte – auch mit Blick auf die letzte Lebensphase. Wer darf Entscheidungen treffen, wenn man selbst nicht mehr dazu in der Lage ist? Eine Patientenverfügung und eine Vorsorge- bzw. Betreuungsvollmacht schaffen hier Klarheit und geben Angehörigen wie Betroffenen Sicherheit in schwierigen Situationen. Und: Ohne wirksame Vollmacht kann ein Ehepartner oder ein Kind nicht einfach Verträge unterschreiben oder verbindliche Regelungen treffen. Die Vollmacht ist also keine Ergänzung, sondern im Ernstfall zwingende Voraussetzung.

Nicht zuletzt gehören auch finanzielle Fragen und Erbschaften früh auf den Tisch. Pflege wird aus Leistungen der Pflegekasse, Renten und – je nach Situation – aus eigenem Vermögen finanziert. Wenn Sozialhilfe beantragt wird, prüft das Sozialamt auffällige Geldbewegungen der vergangenen Jahre. „Gerade bei größeren Geldgeschenken kann es später zu Rückforderungen kommen“, betont Löckelt. Deshalb ist es sinnvoll, Schenkungen, Vermögen und mögliche Folgen früh und offen zu besprechen.

Unser Rat: reden, besichtigen, vorsorgen, klären. Wer diese Themen früh angeht, schafft Orientierung statt Unsicherheit und legt die Grundlage dafür, dass ein möglicher Einzug in ein Altenheim respektvoll, realistisch und im Sinne aller Beteiligten vorbereitet wird.

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