Kurz bevor das Licht erlosch, herrschte gespannte Aufregung bei den Ehrenamtlichen, die an diesem Tag dabei waren. Denn: Das St. Josefshaus hat ins Planetarium nach Bochum eingeladen. Einmal jährlich veranstaltet das Haus eine besondere Tour für die engagierten Helfenden – als Dank für die vielen Aktionen im Quartierzentrum. Sie helfen bei Ausflügen und Festen, bei Spielenachmittagen, beim Basteln und Vorlesen, beim Gottesdienst und beim Singen. Heute dürfen sie sich mal zurücklehnen. Durchaus im wortwörtlichen Sinne, denn die 260 weichen Sitze des Planetariums lassen sich entspannt in eine beinahe liegende Position bringen, schließlich geht es gleich um funkelnde Sterne und den endlosen Kosmos. Und dieses Schauspiel findet man gewöhnlich über den Köpfen. Auch hier.
Und dann geht’s los. Die 25 eingeladenen Personen blicken an die dunkle halbrunde Decke, während sich ihnen langsam ein projizierter Nachthimmel offenbart. Diese Kuppel ragt bis zum Boden und erlaubt so einen voll ausgeleuchteten 180-Grad-Blick – als würde man auf einem freien Feld liegen und über sich einzig den Sternenhimmel sehen. Es ertönt stimmungsvolle Musik, worauf eine Stimme die Gäste des Tages mit auf eine wissenschaftlich fundierte Reise ins All nimmt. „Wir suchen uns im Idealfall besondere Ziele im Ruhrgebiet aus, und das Planetarium ist wirklich ein herausragender Ort“, erzählt die Leiterin des Sozialen Dienstes, Stefanie Schneider. Sie hat diese Tour mit ihrem Team organisiert, nun blickt sie ebenfalls in die inszenierte Nacht.
Die Stimme referiert beinahe über die Herkunft der Sternbilder am Nachthimmel, berichtet über die größten Teleskope auf der Welt und im Weltall, reist zu den fernsten Galaxien, die wir derzeit kennen, und lässt uns Sternenhaufen sehen, die in ihrer Farbigkeit schlicht fantastisch sind. „Ich finde das wunderschön und war auch schon öfter hier. Toll ist das“, sagt die Ehrenamtliche Erika Fritz. Ihr Mann lebte zwei Jahre im St. Josefshaus. In dieser Zeit hat sie die Philosophie der Einrichtung hautnah erlebt und die Mitarbeitenden kennengelernt. Als ihr Mann schließlich starb, blieb sie dem Haus treu, „weil ich unheimlich zufrieden war mit der Pflege und der Begleitung und auch mit dem, was im Josefshaus alles angeboten wird“.
Der Zeiss-Sternenprojektor ragt im Zentrum des Planetariums steil auf und sieht aus wie ein metallischer Roboter mit vielen Augen. Natürlich ist es diese besondere Technik, die die zauberhaften Bilder an die rund 600 Quadratmeter große Fläche der Kuppel des bereits 1964 eröffneten Planetariums wirft. Dazu der beeindruckende Klang. Die Wärme. Die Dunkelheit. Es wird gemütlich in den warmen Sesseln, man könnte fast ermüden, würde über einem nicht dieses grandiose Feuerwerk interstellarer Wunder entzündet.
Auch Maria Koch ist Teil der ehrenamtlichen Kräfte des Hauses und hat sich auf den Besuch im Planetarium gefreut. „Ich stehe nachts oft am Fenster und schau mir unseren Nachthimmel an, das ist schon sagenhaft, oder?“ Nun blickt sie in die fotografierten Sternhaufen, die unvorstellbar weit von uns entfernt sind. Und dennoch können wir sie sehen. Es ist ein bisschen irreal.
Nach 60 Minuten geht das Licht langsam wieder an. Alle Besucher müssen sich erst mal wieder aufsetzen und die Welt um sich erneut erfahren. Die Reise zu den Sternen ist zwar vorbei, aber die Eindrücke bleiben. Genau das ist die Idee, wenn das St. Josefshaus Ausflüge mit den Ehrenamtlichen macht. Und hier und heute begleiten die Bilder noch ein bisschen weiter. Oder wie war das, Frau Fritz? „Von dieser Reise zu den Sternen kann ich heute Nacht schön träumen.“ Mehr kann man nicht verlangen.

